Verhaltens- und verhältnispräventive Strategien der Schadensminimierung aus suchtwissenschaftlicher Perspektive

Empirische Untersuchungen aus der Schweiz

(Prof. Dr. Suzanne Lischer) In der Schweizerischen Gesetzgebung kommt dem Spielerschutz eine große Bedeutung zu: Vermutlich gibt es weltweit kein anderes Land mit derart hohen gesetzlichen Auflagen für Prävention und Früherkennung im Glücksspielbereich (Häfeli, 2010). Die Spielbankenregulierung und -Aufsicht ist im Rahmen eines sogenannten Konzessionsmodells geregelt. Demnach dürfen Glücksspiele – vorbehältlich der im Lotteriegesetz geregelten Lotterien und Wetten – nur in konzessionierten Spielbanken angeboten werden. Das Aufstellen von Geldspielautomaten außerhalb der Spielbanken ist verboten. Das entsprechende Bundesgesetz über Glücksspiele und Spielbanken (SBG) bezweckt einen sicheren und transparenten Spielbetrieb, die Verhinderung von Kriminali-tät und Geldwäscherei und die Vorbeugung sozialschädlicher Auswirkungen des Glücksspiels (SBG, 1998). Die Umsetzung der gesetzlichen Auflagen wird von der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) regelmäßig überprüft. Aktuell ist eine Gesetzesrevision im Gang. Unter anderem ist eine Öffnung des Marktes für Online-Glücksspiele vorgesehen. Das revidierte Geldspielgesetz wird voraussichtlich 2019 in Kraft treten.

Prävalenz pathologischer und problematischer Spieler in der Schweiz

In der Schweiz hat sich das Glücksspielangebot, und entsprechend die Konsummenge, in den letzten Jahren erhöht. Die im Rahmen der Schweizerischen Gesundheitsbefragung durchgeführten Prävalenzstudien aus den Jahren 2012 und 2007 zeigen, in Bezug auf die glücksspielsuchtspezifische Problematik, weitgehend stabile Größenordnungen. Gemäß der Umfrage aus dem Jahr 2012 haben 18.357 der befragten Personen (rund 70 Prozent) an-gegeben, schon mindestens einmal in ihrem Leben Glücksspiele gespielt zu haben (Lebenszeitprävalenz). Im Jahr 2007 waren es noch 60,5 Prozent. Fast die Hälfte der befragten Personen gab an, in den vergangenen 12 Monaten Glücksspiele gespielt zu haben. Im Vergleich zu 2007 ist ein leichter Anstieg der Jahresprävalenz zu verzeichnen. Der Anteil von Personen, die regelmäßig mindestens eine Art von Glücksspiel spielen (sogenannt Häu-fig-Spielende) hat hingegen erneut leicht abgenommen (2007: 18 Prozent, 2012: 17,1 Prozent). Die Mehrheit der Personen, die Glücksspiele spielen – rund 62 Prozent –, haben keine Probleme mit dem Glücksspiel. Geschätzte drei Prozent der befragten Personen praktizieren ein moderat risikobehaftetes Spiel. Bei der Problembelastung durch Glücksspiele weisen die Ergebnisse für das Jahr 2012 eine leicht rückläufige Tendenz auf. Der Anteil von Personen mit vermutlich problematischem Spielverhalten sank von 1,5 Prozent im Jahr 2007 auf 0,7 Prozent im Jahr 2012.

Dieser Text erschien in voller Länger in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 4/2016. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

Prof. Dr. Suzanne Lischer von der Hochschule Luzern beschäftigt sich mit Suchtforschung sowie der Entwicklung und Evaluationen von Spielerschutzmaßnahmen in Schweizer Spielbanken und im Online-Glücksspielbereich.