Wirkung von Zertifizierungen in zu regulierenden Märkten

Praktische Erfahrungen

(Olaf Seiche) Die Zertifizierung1 auf Basis von Standards und die damit einhergehende Prüfung von Unternehmen hat verschiedene Effekte. Diese betreffen das Unternehmen selber und auch jene, die in irgendeiner Weise an dem Unternehmen, seinen Leistungen oder Produkten interessiert sind. Ein Zertifikat liefert den Interessenten spezielle Informationen. Es besagt, dass das geprüfte und zertifizierte Unternehmen nach einem Standard arbeitet und die geforderten Kriterien erfüllt. Ein Zertifikat schafft mehr Transparenz für die interessierten Parteien und kann deren Entscheidungen beeinflussen.
In Deutschland finden verschiedene Standards beziehungsweise Zertifizierungen Anwendung. So gibt es spezielle Branchen- und Industriestandards als auch gesetzlich geregelte Zertifizierungen mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Prüfgesellschaften, die Unternehmen auf Basis bestimmter Standards prüfen und zertifizieren, müssen – je nach Standard – eine Akkreditierung vorweisen. In Deutschland ist die Akkreditierung eine hoheitliche Aufgabe des Bundes und durch das Akkreditierungsstellengesetz geregelt. Verantwortlich ist hierfür die Deutsche Akkredi-tierungsstelle (DAkkS) in Berlin.

Im Folgenden werden einige Zertifizierungen vorgestellt und hinsichtlich ihrer Effekte für den Markt beziehungs-weise für eine spezielle Branche dargestellt.

1. Gründe für den Einsatz von Zertifizierungen

Zunächst stellt sich die Frage, warum gibt es überhaupt Zertifizierungen und wo sollte es Zertifizierungen geben? Überall dort, wo bislang Marktstandards fehlen oder nicht durchgängig angewandt werden, kann die Entwicklung einer ganzheitlichen Zertifizierungssystematik Standards setzen oder die Anwendung von definierten Standards sicherstellen. Die Zertifizierung ist in der Lage, asymmetrische oder unzureichende Informationen zu vervollständigen und vorhandene Unsicherheiten zu beseitigen. Weiterhin sind Zertifizierungen sinnvoll, wenn es darum geht, notwendige Informationsmengen auf eine oder wenige Kernaussagen zu reduzieren und zur Aufklärung beizutragen. Die Zertifizierungssystematik beschleunigt den Transport notwendiger Informationen für alle Stakeholder eines Marktes. Das wiederum führt zur Optimierung der eigentlichen Marktprozesse. Zusammenfassend dargestellt sollte man also insbesondere dort zertifizieren, wo folgende Gegebenheiten vorliegen: unzureichende Informationen der Marktakteure, weiche Faktoren, die nicht einfach einzuschätzen sind, externe Effekte, die ungeklärt sind.

Dieser Text erschien in voller Länger in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 4/2016. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

Olaf Seiche ist Leiter der Business Unit „Service Sector“ beim TÜV Rheinland.