(Renatus Zilles) Moderne Technologien, eine konsequente Digitalisierung der Glücksspielaufsicht und eine engere Zusammenarbeit zwischen Behörden und der Telekommunikations- und IT-Industrie könnten entscheidend dazu beitragen, den illegalen Glücksspielmarkt in Deutschland zurückzudrängen. Doch werden die vorhandenen Möglichkeiten ausreichend genutzt?
Künstliche Intelligenz bietet längst mehr als nur neue technologische Möglichkeiten. Gerade bei der Identifizierung illegaler Glücksspielangebote, der automatisierten Erkennung unerlaubter Werbung und der Unterstützung regulatorischer Maßnahmen könnte sie zu einem entscheidenden Instrument einer wirksamen „Schwarzmarktbekämpfung“ werden. Dass Deutschland dieses Potenzial bislang nicht konsequent ausschöpft, war eine der zentralen Fragestellungen beim 12. Deutschen Glücksspielrechtstag, zu dem die dfv Mediengruppe und die Kanzlei Benesch Partner eingeladen hatten. In der ersten Themenrunde wurde sehr schnell deutlich, dass die neu entdeckte KI nicht nur, wie häufig fälschlicherweise gesehen, negative Effekte auf die Spieler, insbesondere jugendliche Spieler hat, sondern im Gegenteil in diversen Bereichen des Glücksspiels sehr positive Effekte haben kann.
Der geplante „Digitale Medien-Staatsvertrag“ (DMStV), wird erneut regulatorische Impulse für die Glücksspielaufsicht bringen. Der DMStV unterstützt ausdrücklich den Einsatz von „KI-Tools“. Diese werden vorbildlich schon seit 2021 bei den Landesmedienanstalten eingesetzt. Vorbildcharakter für Behörden, insbesondere für die GGL, die seit ca. 3 Jahren vorgeschlagene „KI-Tools“ zur Bekämpfung der „Schwarzmarkt-Werbung“, aber auch beim stark umstritten „IP-Blocking“ nicht zum Einsatz bringt! Der Glücksspielbereich, der schon immer sehr Telekommunikations- und Internet (TK/IT) lastig war, wird immer mehr mit dem „Digital Act“, früher in Deutschland im Telemediengesetz und der E-Commerce Richtlinie geregelt, zu tun bekommen wird.
Hierzu passen auch die beiden Verwaltungsgericht Halle Urteile aus August, in denen der „Digital Act“ und deren teilweise „Nicht-Einhaltung“ durch die GGL auch eine tragende prozessuale Rolle spielen.
Der unmessbare Schwarzmarkt
Schon seit Jahren gibt es zwischen den Behörden und der „Bettertainment-Branche“ in Bezug auf die Berechnung des „Schwarz-Marktes“ unterschiedliche Auffassungen. Die GGL geht in Ihrer aktuellen Studie aus März 2026 noch von 22,79 Prozent aus. Institute, wie z. B. H2 Gambling, von einer Größenordnung über alle Spielformen von ca. 64 Prozent aus.
Die kürzlich durchgeführte Razzia in Frankfurt gegen „Platin-Casino“ führt die „GGL-Studie“ ad absurdum. Die Staatsanwaltschaft kommt allein im Jahr 2024 auf eine Steuerhinterziehung von ca. 74 Millionen Euro, bei Gesamtsteuereinnahmen von 214 Millionen Euro im legalen Markt. Das entspricht rund 36 Prozent des gesamten Steueraufkommens des legalen Markts für „Virtuelle Automatenspiele. Ein einziger illegaler Anbieter wäre damit größer als der gesamte Schwarzmarkt, den die GGL annimmt.
Europaweit wird der Schwarzmarkt nach einer Studie im Auftrag der European Casino Association (ECA) auf 91,6 Milliarden Euro taxiert, die daraus resultierenden Steuermindereinnahmen auf ca. 23 Milliarden Euro. Diese Zahlen zeigen deutlich die gewaltige Dimension des illegalen Schwarzmarktes, sowohl in Deutschland als auch in der EU!
Moderne Technologien, insbesondere innovative „KI-Tools“, müssen dringend auch in den Behörden stärker zum Einsatz kommen, aber gleich bedeutsam ist eine gemeinsame und abgestimmte Vorgehensweise zwischen den Behörden und der „TK/IT Industrie“, und nicht ein ausgrenzen, wie kürzlich erfolgt. Dies führt nur zur Konfrontation und rechtlichen Auseinandersetzungen. Der einzige Nutznießer sind die „Schwarzmarkt Anbieter“! Gefragt sind kurzfristig konzertierte Aktionen aller „Stakeholder“, optimalerweise auf Basis eines „Runden-Tisch-Formates“, wie von der „TK-Industrie“ bei der Liberalisierung erfolgreich praktiziert, am besten unter der Führung eines starken Innenministers, der sich den Hut aufsetzt und die Verantwortung für eine innovative und zukunftsweisende „Glückspiel-Reform“ übernimmt, auch unter Einbeziehung der „TK- & IT Industrie“.
Beim Rück-, und Ausblick der Glücksspielregulierung im Spannungsfeld zwischen reguliertem & Schwarzmarkt, wurde klar, dass in den letzten Jahren zwar Schritte in die Richtung gemacht wurden, aber die Zeit gegen den legalen Markt läuft, da in Deutschland immer noch der Fokus auf einer „Verbots-, statt auf einer Gebotspolitik“ liegt. Hiervon profitiert maßgeblich der „Black-Market“!
Der Autor dieses Gastbeitrages ist Renatus Zilles, GF der ConvergeConsulting & Vorstandsvorsitzender des „Bettertainment-Council“.
Beitragsbild: cottonbro studio auf www.pexels.com




