(RZ) Der internationale Schwarzmarkt gefährdet akut und nachhaltig die Liberalisierung des deutschen „Bettertainment – Marktes“ und die Umsetzung der Glücksspiel-Regulierung.
Am 11. November fand in Berlin wieder die internationale Konferenz „Gaming in Germany“ statt. Ein übergreifendes Thema zog sich durch alle Vorträge und Panels: Der deutsche „Bettertainment-Markt“, trotz aller Bemühungen der legalen Anbieter und der GGL schon länger nicht die Erwartungen. Er ist zu wenig attraktiv für neue internationale Anbieter – und der wachsende Schwarzmarkt wird von Behörden und Politik nicht zeitnah und nachhaltig bekämpft. Das internationale Interesse am deutschen Markt bleibt zwar groß, doch Ernüchterung breitet sich aus: Ein suboptimaler „Glücksspiel-Staatsvertrag“, eine hinter den Möglichkeiten zurückbleibende Regierungspolitik und ein explodierender Schwarzmarkt halten viele Anbieter vom Markteintritt ab.
Eine DIW-Econ-Studie 2025, beauftragt vom DOCV, zeigt das Lösungspotenzial: Bei einer Bruttospielertragssteuer unter 30 Prozent, der europäische Durchschnitt liegt bei 20–30 Prozent, könnte die Kanalisierungsquote auf etwa 80 Prozent steigen und zusätzliche Steuereinnahmen von ca. 750 Mio. Euro generieren lassen – gegenüber enttäuschenden 213 Mio. Euro 2024. Welche negative Wirkung die Steuer auf die Kanalisierung hat, sieht man am aktuellen Beispiel von den Niederlanden, die nach einer Steuererhöhung ca. 25 Prozent des Marktes an die „Schwarzmarkt-Anbieter verloren hat, sowie einen Steuerrückgang von ca. 200 Millionen Euro verzeichnen musste.
Eine H2-Gambling-Capital-Studie aus September 2025 beziffert die Kanalisierungsrate auf nur 36 Prozent, wobei die von der Regulierung ausgegebene Zielmarke bei mehr als 80 Prozent liegt. Der Schwarzmarktanteil liegt bei ca. 64 Prozent für den Bereich Sportwetten und virtuelle Automatenspiele, während die GGL von nur 25 Prozent ausgeht. Experten schätzen allein den Schwarzmarktanteil bei „Casino-Angeboten“ auf 75–80 Prozenten, Diese Diskrepanz ist kritisch – eine gemeinsame, auf gleichen Parametern basierende Klärung ist dringend erforderlich, um die Politik nicht in eine trügerische Sicherheit zu wiegen.
Der zentrale Fehler liegt in der Regulierungsstrategie: Deutschland setzt auf eine „Verbotspolitik“ statt auf eine „Gebotspolitik“. Diese Verbotslogik sabotiert das ursprüngliche Ziel des GlüStV und davon profitiert nur der Schwarzmarkt. Spieler entscheiden sich zu etwa 80% für Angebote mit besseren Konditionen – Schwarzmarkt-Anbieter können einen circa 50 Prozent niedrigeren Hausvorteil anbieten.
Die Politik ist jetzt dringend gefordert die richtigen Schritte zeitnah einzuleiten, denn die Zeit spielt den „Black-Market-Piraten“ in die Hände, besser gesagt sie treibt weitere Spieler sehenden Auges in den „Schwarz-Markt“, genau das Gegenteil war die Absicht der Politiker bei dem aktuellen GlüStV.
Die Überwindung dieser Krise erfordert ein koordiniertes Vorgehen auf mehreren Ebenen. Zunächst ist eine schnelle Korrektur der fehlgeleiteten Steuerpolitik der Schlüssel – diese entspricht nicht der ursprünglichen Intention der Ministerpräsidenten und muss dringend überarbeitet werden. Nur so können lizensierte Anbieter
wieder wettbewerbsfähig werden.
Parallel dazu braucht es ein strukturelles und innovatives Gesprächsformat, das alle Stakeholder an einen Tisch bringt. Das Modell eines „Runden Tisches“, wie es bei der erfolgreichen Liberalisierung der Telekommunikations-Branche eingesetzt wurde, liegt der Politik und der GGL bereits vor.
GGL Verwaltungsratsvorsitzender Sandro Kirchner unterstützt diesen Ansatz ausdrücklich – sein Motto lautet: „Wir sollten mehr miteinander, anstatt übereinander zu reden.“ Ein solches Format würde einen direkten, interaktiven Dialog zwischen den Behörden, der Politik und der „Bettertainment-Branche“* ermöglichen und die bisherige Lähmung überwinden. Technologisch muss Deutschland dabei auch innovative Wege gehen. Ein von deutschen „KI-Spezialisten“ entwickeltes Tool kann verbotene Glücksspielwerbung in Echtzeit auf Websites und in sozialen Medien lokalisieren und automatisierte Meldungen an die GGL, sowie Google und andere Provider versenden. Ein Ansatz, der bereits bei ausländischen Regulierern sehr großen Anklang findet.
Rechtsexperten, Politik und Marktteilnehmer sind sich einig: Der Schwarzmarkt muss effizient und nachhaltig bekämpft werden. Uneinigkeit besteht bei den einzusetzenden Instrumenten und der Zeitachse. Deshalb ist die Forderung unvermeidbar: Wechsel von Verbots- zu Gebotspolitik, gekoppelt mit Steuerkorrekturen, echtem Dialog im Runden-Tisch-Format, technologischen Innovationen und besseren Konferenzstrukturen – um den deutschen Markt nicht endgültig zu verlieren.
Der Autor dieses Gastbeitrages ist Renatus Zilles Geschäftsführer der ConvergeConsulting und ehemaliger Vorstandsvorsitzender des DVTM.
Beitragsbild: Vanderlei Longo auf www.pexels.com




