Das DRK steht zum Lottoprinzip

von Christian Reuter

Gesellschaftlicher Zusammenhalt fällt nicht vom Himmel. Ein lebendiges Gemeinwesen, eine aktive Bürgerschaft und eine Infrastruktur an guten Angeboten für diejenigen, die Unterstützung brauchen, das ist harte Arbeit. Und die leistet das Deutsche Rote Kreuz jeden Tag im ganzen Land. Mit Angeboten für Geflüchtete, mit Unterstützungsstrukturen für ältere Menschen, mit Wohnangeboten, mit Betreuung und Beratung, mit Rettungsdiensten und Katastrophenschutz und vielem mehr. Wir organisieren und mobilisieren Ehrenamt und gewinnen junge und ältere Menschen dafür, sich zu engagieren und sich aktiv für die Gesellschaft einzubringen. Um das einmal klar zum Ausdruck zu bringen: Sehr viele Menschen setzen auf uns. Aber sie halten uns und unsere Angebote auch oft für selbstverständlich. Aber das ist es natürlich nicht.

Darum möchte ich an dieser Stelle ganz deutlich machen: Die gemeinwohlorientierten Lotterien fördern die Wohlfahrtsverbände, zu denen auch das Deutsche Rote Kreuz gehört. Jedes Jahr fließen rund 650 Millionen Euro Lottogelder in den Bereich der Wohlfahrtspflege. Mit Spielerlösen von LOTTO, Deutsche Fernsehlotterie und Aktion Mensch kann das Rote Kreuz Menschenleben retten und in sozialen Brennpunkten helfen. Und nicht nur die Wohlfahrtspflege, auch Träger von Kultur, Sport, Umwelt-, Denkmal- und Naturschutz werden erheblich unterstützt. Doch das Lotto-Prinzip wird bedroht: Ausländische Glücksspielkonzerne untergraben das bewährte Förderprinzip der Lotterien. Mit illegalen Angeboten saugen Produktpiraten Millionenbeträge aus dem deutschen Glücksspielmarkt ab. Es besorgt uns sehr, wenn wir sehen, dass dieses Gemeinwohlmodell im Glücksspielstaatsvertrag bedroht ist. Diese Bedrohung richtet sich gegen unsere Gesellschaft und ihren Zusammenhalt.

Die Millionen, die den staatlichen Lotteriegesellschaften durch illegale Angebote verloren gehen, fehlen für soziale, kulturelle, sportliche und Umwelt-Projekte. Die illegalen Anbieter fokussieren sich auf die eigene Gewinnmaximierung, die Förderung des Allgemeinwohls wird in den Hintergrund gedrängt. Die Erlöse der Soziallotterien verringern sich und gemeinnützige Träger verlieren eine wichtige Finanzierungsbasis, um wirkungsvoll Projekte umzusetzen. In der Konsequenz heißt das, dass weniger Hilfe und Unterstützung bei den Menschen ankommt. Aus Mitteln der Glücksspirale, die zur Lotto-Familie gehört, wurden dem DRK allein im vergangenen Jahr rund drei Millionen Euro bewilligt. Ein kleines Beispiel, wofür wir es eingesetzt haben: In Rheinland-Pfalz wurden spezifische Gesundheits- und Gymnastikprogramme für ältere Menschen weiterentwickelt. Das dient nicht nur der Gesundheit, sondern wirkt auch gegen Vereinsamung. Aus Mitteln der Fernsehlotterie haben Dienste und Einrichtungen des DRK in 2017 insgesamt rund 8,5 Millionen Euro erhalten. Damit konnten wir in ganz Deutschland 60 Hilfsprojekte realisieren, insbesondere in der Stadtteil- und Sozialarbeit. Gleichzeitig hat die Aktion Mensch DRK-Verbände und -Einrichtungen mit rund fünf Millionen Euro gefördert. Mit den Geldern wurden insgesamt über 180 Projekte, insbesondere für Menschen mit Behinderung finanziert. Nur durch die Unterstützung von Aktion Mensch können wir unsere Verantwortung zum Abbau von Barrieren und der Verwirklichung von Teilhabe und Inklusion

in diesem Umfang wahrnehmen.

Wer auf die Herausforderungen blickt, die im Bereich der Wohlfahrtspflege und im Hinblick auf den gesamten Sozialstaat vor uns liegen – Digitalisierung, demografischer Wandel, zunehmende Divergenzen in der Bevölkerung – der müsste umso vehementer mit uns und den Lotterien für den Erhalt des Lotto-Prinzips und gegen die illegalen Angebote vorgehen. Es müssen gesetzliche Wege gefunden werden, gegen illegale Glücksspielangebote vorzugehen und den legalen Lotterien wieder mehr Geltung verschaffen. Deutschland soll eben nicht zu einer “Zockerrepublik” werden, in der sich immer mehr Anbieter in einem lukrativen Markt tummeln. LOTTO und die Soziallotterien sind hier in besonderer Weise einem sensiblen Umgang und dem Gemeinwohl verpflichtet. Glücksspiel soll dem Gemeinwohl zugutekommen – das ist der Kernpunkt des Gemeinwohlmodells des Glücksspielstaatsvertrages in Deutschland. Und diesen gilt es zu bewahren und zu schützen.

Christian Reuter ist seit April 2015 Generalsekretär und Vorsitzender des Vorstands des Deutschen Roten Kreuzes e. V. Der Diplom-Volkswirt hat zuvor seit 2011 über vier Jahre lang den Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. als Bundesgeschäftsführer geleitet.