Erste Schritte nach dem Stillstand – Glücksspiel in Zeiten von Corona

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Von Lora Köstler-Messaoudi, Redaktion BzGw

Zum Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus waren seit Mitte März Spielhallen, Spielbanken, Wettbüros und teilweise auch Lotto-Annahmestellen in Deutschland geschlossen. Die Mehrheit der rund 70.000 Mitarbeiter der Automatenbranche ging in Kurzarbeit. Ähnlich war es auch bei den anderen Glücksspielanbietern. Die Umsätze lagen in dieser Zeit bei null. Laufende Kosten für Miete, Personal und Leasingraten für Spielgerate fielen dennoch an. Doch seit Mitte Mai können die Glücksspielanbieter wieder etwas aufatmen, denn Glücksspiel wurde in den meisten Ländern wieder – unter strengen Auflagen – erlaubt.

Kurzarbeit und Umsatzausfall
Vor allem kleine Betreiber stellt die aktuelle Situation vor große Herausforderungen. Bei den großen Spielhallenbetreibern sind noch Reserven vorhanden, den Kleinen wird jedoch bei längeren Schließungen irgendwann die Puste ausgehen. Rund 90 Prozent der Betreiber von Spielhallen haben nur ein bis drei Spielhallen. Diese kleinen Unternehmen, die einen Großteil des Marktes in der Automatenbranche ausmachen, stehen Experteneinschätzungen zufolge teilweise vor dem Ruin. „Dass der Lockdown staatlich konzessionierter Spielhallen trotz bester Voraussetzungen für einen wirksamen Infektionsschutz in einigen Ländern anhält, ist eine Gefahr für die meist mittelständischen Betriebe der Automatenwirtschaft. Wenn dauerhaft Einnahmen komplett wegfallen, wo Verpflichtungen weiterlaufen, drohen Insolvenzen ansonsten gesunder Betriebe“, warnt auch Georg Stecker, Sprecher der Deutschen Automatenwirtschaft (DAW).
Auch den Sportwettbereich hat die Corona-Krise laut Mathias Dahms, Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV), sehr hart getroffen. „Durch den Ausfall bzw. das Pausieren nahezu aller relevanter Sportwettbewerbe ist unseren Mitgliedern von heute auf morgen die Geschäftsgrundlage weggebrochen. Die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in diesem Bereich haben mehrere Monate lang keine Einnahmen erzielt und bangen um ihre Existenz“, so Dahms. Man begrüße es daher sehr, dass viele Bundesländer den Wettbürobetreibern wieder Perspektiven eröffneten, ihren Geschäftsbetrieb auch während der Corona-Krise wieder aufzunehmen. „Andernfalls wären viele Insolvenzen bei den Wettbürobetreibern, wohl kaum noch zu vermeiden gewesen“, so der DSWV-Präsident.
Bei den meisten Spielbanken sieht man sich noch gut gerüstet für die Zukunft, aber nur, wenn der Lockdown nicht zu lange anhält. In Rheinland-Pfalz waren Anfang Mai rund 90 Prozent der Mitarbeiter der sechs Spielbanken in Kurzarbeit. „Für die Monate April und Mai können wir das Kurzarbeitergeld für unsere Mitarbeiter zum Normalgehalt noch aufstocken. Jedoch ist das nicht für jede Spielbank möglich“, erklärt Michael Seegert, geschäftsführender Gesellschafter der Spielbank Bad Neuenahr. Wäre der Lockdown bis in den Juni hineingehen, wäre es aber auch für die Spielbank in Bad Neuenahr problematisch geworden, das Kurzarbeitergeld weiter aufzustocken, so Seegert.

Dieser Text erschien in voller Länge in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 2/2020. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

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Lora Köstler-Messaoudi

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