„Wir hatten durchaus Umsatzrückgänge zu verzeichnen“

Ein Interview mit Jürgen Häfner

Die Glücksspielbranche muss mit massiven Einnahmenausfällen durch die Corona-Pandemie rechnen. Auch das Lottospiel ist betroffen, wie Jürgen Häfner, Geschäftsführer der derzeit im DLTB federführenden Blockgesellschaft Lotto Rheinland-Pfalz, im Interview mit R. Uwe Proll berichtet. Doch auch die aktuelle Glücksspielregulierung und die damit einhergehende, neu zu schaffende Behörde in Sachsen-Anhalt könnten aufgrund der Krise erst später arbeitsfähig sein als bisher geplant. Der Jurist Häfner zeigt im Interview auf, wie die Übergangszeiten in diesem Fall geregelt sind.

Sehr geehrter Herr Häfner, Sie sind zuständig für den deutschen Lotto-Block, also für alle Lottogesellschaften in Deutschland und deren Angebote. Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie derzeit auf das Lottospiel?
Häfner: Zu dieser Thematik kann ich nicht für den deutschen Lotto- und Toto-Block sprechen, da für vertriebliche Fragestellungen allein die jeweiligen Landeslotteriegesellschaften zuständig sind. Deshalb beschränken sich meine Angaben nur auf Rheinland-Pfalz. Hier hatten wir mehrere Corona-Bekämpfungsverordnungen. Mit Inkrafttreten der letzten Corona-Bekämpfungsverordnung hat sich die Anzahl der geschlossenen Annahmestellen noch einmal deutlich reduziert. In Rheinland-Pfalz haben wir rund 930 Annahmestellen. Dort werden neben den Lotterieprodukten auch andere Produkte des täglichen Lebens angeboten. Wir haben in Rheinland-Pfalz im Rahmen unserer Zuständigkeiten die Annahmestellen finanziell bei den Maßnahmen zum Hygieneschutz unterstützt.

Könnten Sie diese Maßnahmen kurz näher erläutern?
Häfner: In den Annahmestellen mussten entsprechende Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden. Dazu gehören Schutzscheiben und auch Schutzhygieneartikel wie z.B. Mund- und Nasenschutz. Hierfür hat Lotto Rheinland-Pfalz den Annahmestellen Investitionszuschüsse gewährt.

Sie haben darauf hingewiesen, dass nicht alle Annahmestellen betrieben werden konnten. Hat das Auswirkungen auf die Umsätze?
Häfner: Auch diese Frage kann ich nur für Rheinland-Pfalz beantworten. Wir hatten durchaus Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Auf der anderen Seite gab es aber auch eine gewisse Kompensation durch Zuwächse im Internet und zeitweise durch den hohen Jackpot auch eine positive Einsatzentwicklung bei Eurojackpot.
Der bisherige Zeitraum ist für seriöse, fundierte und nachvollziehbare Umsatzanalysen aber zu kurz. Die Umsatzentwicklung in den Annahmestellen ist zudem sehr unterschiedlich. Grund hierfür ist im Wesentlichen das geänderte Einkaufsverhalten der Kunden.
Damit die Kunden während der Corona-Pandemie nicht immer das Haus verlassen müssen, nutzen sie unter anderem bei Lotto 6aus49, beim Eurojackpot und auch bei den Zusatzlotterien unser Angebot der Mehrwochenscheine.

Dieses Interview erschien in voller Länge in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 2/2020. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

Der ehemalige Innenstaatssekretär Jürgen Häfner ist Geschäftsführer der derzeit im DLTB federführenden Blockgesellschaft Lotto Rheinland-Pfalz.

Über den Autor

Lora Köstler-Messaoudi

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