Sinnvoll besteuern – Welche Bedeutung die Steuerbemessungsgrundlage für den Erfolg des Glücksspielstaatsvertrages hat

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Von Dr. Dirk Quermann

Derzeit ratifizieren die Landesparlamente den Glücksspielstaatsvertrag 2021, der voraussichtlich am 1. Juli in Kraft treten wird und mit dem erstmals virtuelle Automatenspiele, Online- Casinospiele und Online-Poker bundesweit erlaubnisfähig werden. Damit rückt auch die Besteuerung dieser Spielformen in den Fokus des politischen Diskurses.

Die deutsche Glücksspielbesteuerung kennt zwei verschiedene Modelle der Besteuerung: die Besteuerung des Spieleinsatzes sowie die Besteuerung des Bruttospielertrags. Beim ersten Modell, der Spieleinsatz-Besteuerung, wird der eingesetzte Betrag pro Spiel besteuert. So wird im Falle der Lotterien und Sportwetten verfahren. Beim zweiten Modell wird der Bruttospielertrag besteuert, also jener Betrag, den der Spieler tatsächlich verliert und der beim Anbieter verbleibt. Er ist Steuerbemessungsgrundlage bei den terrestrischen Angeboten in Spielbanken und Spielhallen.

Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Gegenwärtig wird erwogen, das Rennwett- und Lotteriegesetz um neue Steuertatbestände für das virtuelle Automatenspiel und Online-Poker zu erweitern und diese Spielformen auch nach dem Spieleinsatz zu besteuern – ein Vorhaben, das die Funktionsweise der Spiele völlig unberücksichtigt lässt und das erhebliche Auswirkung auf die Attraktivität der neu regulierten Glücksspielarten und damit auf die Kanalisierung hat. Um diesen wichtigen Zusammenhang erkennen zu können, darf man nicht Äpfel und Birnen vergleichen. Vielmehr ist es unbedingt notwendig, die unterschiedlichen Funktionsweisen, Ausschüttungsquoten und Wettbewerbsintensitäten der neu regulierten Glücksspielarten zu berücksichtigen, da diese sich wesentlich von Lotterien und Sportwetten unterscheiden.

So nimmt beim virtuellen Automatenspiel der Verbraucher nicht etwa das einzelne Spiel wahr, sondern vielmehr eine Serie von Spielen. Innerhalb dieser Serie finden laufend Gewinne und Verluste statt, die insgesamt das Spielerlebnis und damit die Attraktivität der Spielform ausmachen. Die Ausschüttungsquote bei virtuellen Automatenspielen liegt europaweit zwischen 92 und 98 Prozent des Einsatzes.

Der vollständige Beitrag erschien in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 1/2021. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

 Dr. Dirk Quermann ist Präsident des Deutschen Online Casinoverbandes.

Über den Autor

Lora Köstler-Messaoudi

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