„Soziallotterien sind aktuell steuerlich benachteiligt“

Ein Interview mit Annemiek Hoogenboom und Tobias Kohl von der Postcode Lotterie DT gGmbH

BzGw: Was ist das Besondere an der Postcode Lotterie? Wie funktioniert das? 

Hoogenboom: Als private Soziallotterie sind wir gemeinnützig und werden den „Lotterien mit geringerem Gefährdungspotenzial“ aus dem dritten Abschnitt des Glücksspielstaatsvertrags zugerechnet. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, ausgewählten wohltätigen Organisationen Gelder aus der Lotterieveranstaltung zukommen zu lassen. Durch eine langfristige Förderung tragen wir zu wichtigen und mutigen Projekten bei. Gleichzeitig machen wir unsere Teilnehmer und die Öffentlichkeit auf diese Arbeit aufmerksam. Dabei ist unser Konzept einzigartig: Nachbarn gewinnen gemeinsam und helfen gemeinsam!

Das Konzept der Postcode Lotterien ist eine Weiterführung des klassischen Lotto-Spiels. Unsere Teilnehmer spielen mit einem Post- code. Dabei handelt es sich um eine individuelle Losnummer, die sich aus ihrer Postleitzahl, zwei Buchstaben für ihre Straße und drei Ziffern zusammensetzt. Machen wir es am Beispiel des Verlagssitzes des Behörden Spiegel plastisch: Friedrich-Ebert-Allee 57 in 53113 Bonn. Ein Teilnehmer unter dieser Adresse würde etwa mit dem Postcode 53113 MS 001 an unseren Ziehungen teilnehmen. Jeder Teilnehmer kann mit bis zu drei Losen zu jeweils 12,50 pro Monat an unserer monatlichen Ziehung teilnehmen. Diese besteht aus fünf Einzelziehungen, an denen alle vergebenen Lose – und nur diese – teilnehmen. Für jeden Tag eines Monats werden garantierte Gewinne gezogen; diese reichen von 10 bis zu 10.000 Euro und einem Auto. Beim Monatsgewinn – unserem Hauptgewinn – werden derzeit insgesamt 1.300.000 Euro ausgeschüttet – alle Lose mit dem gezogenen Postcode teilen sich 650.000 Euro und alle übrigen Lose mit der dazugehörigen Postleit- zahl weitere 650.000 Euro. Unsere Teilnehmer können also zusammen mit ihren Nachbarn gewinnen und gleichzeitig Gutes tun. Denn von jedem Los gehen mindestens 30 Prozent an gute Zwecke in ihrer Nähe.

BzGw: Die Deutsche Postcode Lotterie ist komplett digital aufgestellt. Sie haben keine stationären Annahme- und Verkaufsstellen. Sehen Sie das als Nachteil oder eher als Chance? 

Kohl: Stationäre Vertriebsstrukturen sind nicht Teil unseres Konzepts. Wir verkaufen unsere Lose größtenteils über die Webseite. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Lose bei unserem telefonischen Kundenservice zu er- werben oder Coupons, die wir in Zeitschriften und Tageszeitungen beilegen lassen, auszufüllen und uns zu schicken. Dieser Ansatz ist bislang voll aufgegangen. Insbesondere in Zeiten von pandemiebedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens mussten wir keine Verkaufseinbrüche verzeichnen. Im Gegenteil: Wir haben in den letzten Monaten mehr Lose denn je verkauft. Dies kommt am Ende den vielen gemeinnützigen Organisationen zugute, die sich bei uns um eine Förderung bewerben.

Das vollständige Interview erschien in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 1/2021. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

Annemiek Hoogenboom ist Geschäftsführerin der Postcode Lotterie DT gGmbH.
Tobias Kohl, LL.M., ist Rechtsanwalt und Deputy Head of Legal & Politics der Postcode Lotterie DT gGmbH.

 

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