Beiträge des Glückspielwesens zur Sportfinanzierung

Sport profitiert vielfältig vom Glücksspielwesen

(Univ.-Prof. Dr. Christoph Breuer) Glücksspiel und Sport sind eng miteinander verbunden. So stellen sportliche Wettkämpfe die Basis für Sportwetten dar. In der europäischen Wirtschaftsstatistik werden Sportwetten demzufolge auch als sogenannter „downstream sector“ in der Betrachtung der Sportwirtschaft eingestuft: Sie benötigen den Sport als wirtschaftliche Grundlage, sind aber zu dessen Produktion nicht erforderlich. Diese Einstufung greift jedoch womöglich zu kurz. Denn der Sport profitiert seit jeher finanziell vom Glücksspielwesen. Insofern könnte das Glücksspielwesen durchaus als ein Sektor bezeichnet werden, welcher durch seine Finanztransfers zahlreiche sportliche Güter und Dienstleistungen erst ermöglicht.

Im Folgenden werden die Beiträge des Glückspielwesens zur Sportfinanzierung systematisch dargestellt. Dabei ist zu differenzieren zwischen (1) Sportfinanzierung durch eigene Glücksspiele, (2) Sportfinanzierung über Konzessionsabgaben, (3) indirekte Sportfinanzierung über Umsatz- und Gewinnsteuern, (4) Sportsponsoring, (5) Netzwerkeffekte durch Medienwerbung sowie (6) der Komplementarität von Sport- und Glücksspielprodukten.

Sportfinanzierung durch eigene Glücksspiele

Um Finanzierungslücken im Sport zu schließen, wird international wie national regelmäßig auf das Instrument eigens dazu ins Leben gerufener Lotterien gesetzt. Streng genommen fällt hierunter auch die Tombola beim örtlichen Sportverein. Zum Einsatz kommt dieses Instrument aber insbesondere bei der Finanzierung sogenannter „Mega-Events“ wie Olympischen Spielen oder Fußball-Weltmeisterschaften. Bekanntestes deutsches Beispiel hierfür ist die Olympia-Lotterie, die als Endziffernlotterie von 1967 bis 1974 in der damaligen Bundesrepublik zur Finanzierung der Olympischen Sommerspiele 1972 durchgeführt wurde. Projektiert war ein Ertrag in Höhe von 250 Millionen DM zur Finanzierung von Sportbauten in München und Kiel (Austragungsort der Segelwettbewerbe). Eingespielt wurden schließlich 252 Millionen DM oder 13 Prozent des Gesamtfinanzbedarfs der Olympischen Sommerspiele.

Die gemeinnützige Deutsche Sportlotterie stellt ein aktuelles Beispiel dar, wie Finanzierungslücken im Sport mithilfe des Glückspielwesens geschlossen werden sollen. Die Erlöse sollen nach Abzug von Kosten und Steuern nahezu komplett olympischen und paralympischen Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern zugutekommen. Sie soll die finanzielle Unterstützung der Athletinnen und Athleten durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe ergänzen, so dass diese nicht nebenher arbeiten müssen, sondern sich ganz auf ihre sportliche Karriere konzentrieren können. Ein kleinerer Teil der Erlöse soll der Nationalen Anti-Doping Agentur zur Verfügung gestellt werden.

Auch die Geschichte der Glücksspirale ist untrennbar mit der deutschen Sportentwicklung verbunden. Mitinitiiert vom damaligen Nationalen Olympischen Komitee sollte sie zunächst die Finanzierung der Olympischen Spiele 1972 unterstützen, bevor Erlöse für die Finanzierung der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland verwendet wurden und schließlich bis zu 50 Prozent der Erlöse an den organisierten Sport gingen. Trotz der Rückgänge der Erlöse aus der Glücksspirale fließen derzeit noch immer knapp sechs Millionen Euro des Zweckertrages jährlich an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Daneben erhalten alle Landessportbünde Mittel aus der Glücksspirale. Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen etwa erhält jährlich Zuflüsse aus der Glücksspirale in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro.

Prof. Christoph Breuer ist Sportökonom, Sportsoziologe und Hochschullehrer am Institut für Sportökonomie der Deutschen Sporthochschule Köln.

Dieser Beitrag erschien in voller Länge in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 4/2019. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

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