„Die E-Sports-Branche wird einer der Profiteure der Krise sein.“

Ein Interview mit Michael Lampel

Herr Lampel, die Corona-Pandemie hat aufgrund der aktuellen Beschränkungen im öffentlichen Leben drastische Auswirkungen auf das terrestrische Spiel. Wie geht es den Sportwetten und Online-Casinos in Zeiten von Corona?

Lampel: Nicht so schlecht, wie man zunächst dachte. Bei den reinen Sportwettenanbietern sahen wir teilweise Umsatzeinbrüche von bis zu 80 Prozent, viele Unternehmen sind aber diversifiziert aufgestellt und bieten neben Sportwetten auch Produkte wie Casino, Bingo, Poker und andere Spielformen an. Hier sind die Einbrüche bei Weitem nicht so dramatisch, da insbesondere der Online-Casino Bereich in Teilen sogar gute Steigerungen erfahren hat.

Es ist klar zu erkennen, dass nun selbst auch treue Live Casino-Spieler den Weg ins Internet gefunden haben. Der Lockdown und die damit verbundenen Ausgangssperren trugen ihr Übriges dazu bei und es wurde vermehrt gespielt. Die Sportwettenbranche hat relativ schnell reagiert und ihr Portfolio auf die Spiele im Ausland ausgerichtet, die noch stattfanden, insbesondere aber auch einen klaren Fokus auf E-Sports gelegt. Die E-Sports-Branche wird auf lange Sicht einer der Profiteure der Krise sein, sie hat einen klaren Boost ihrer medialen Aufmerksamkeit erfahren. Aber auch die Fußball-Bundesliga wird durch den frühen Restart viele neue Fans in aller Welt gewonnen haben als erste große Fußball-Liga, die wieder gespielt hat und dadurch sehr gute Zuschauerzahlen in aller Welt erzielt hat.
Insgesamt müssen wir aber auch berücksichtigen, dass durch steigende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit insgesamt weniger Geld zur Verfügung steht, sodass die Wachstumsaussichten der Branche sicherlich einen Dämpfer verpasst bekommen haben.

Die Bundesländer haben sich auf den Entwurf eines Glücksspielstaatsvertrags geeinigt. Demnach sollen bisher illegale Glücksspiele im Internet künftig erlaubt sein. Wie bewerten Sie die neuen Änderungen? Wird es einen Boom beim Online-Glücksspiel in Deutschland geben?
Lampel: Zeit wird’s. Seit nunmehr rund 20 Jahren finden Planungen und Bestrebungen zu einer Regulierung von Online-Glücksspiel statt. Hätte man Zeit und Geld statt in die Bekämpfung von Anbietern, Medien und Providern in eine saubere Regulierung gesetzt, wären wir sicherlich schon in einem voll regulierten Markt. So laufen wir der Entwicklung wieder mal hinterher und die Bundesländer haben es wieder einmal nicht geschafft, ein belastbares Lizensierungsverfahren auf die Beine zu stellen. Das Verwaltungsgericht in Darmstadt hat im Rahmen einer einstweiligen Anordnung die Erteilung der Lizenzen gestoppt. Das Gericht folgte dem Antrag eines österreichischen Anbieters, der sich im Verfahren diskriminiert fühlte. Das Land Hessen hatte im Vorfeld die Anbieter, die sich bereits vorher für eine Lizenz beworben hatten, vorab über das Verfahren informiert, alle anderen Anbieter aber eben nicht. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Hier täte man gut, den Fuß vom Gas zu nehmen und die Sportwettenregulierung mit der Regulierung der Phase 2 (30.06.21) zusammenzufassen.

Dieses Interview erschien in voller Länge in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 2/2020. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

Michael Lampel (52), MBA, ist professioneller Online-Pokerspieler und seit 2006 Country und Regional Manager für verschiedene namhafte Unternehmen. Aktuell betreut er die DACH-Region für die ComeOn Group.

Über den Autor

Lora Köstler-Messaoudi

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