Subgruppen von Lotterie-Teilnehmern mit einer Störung durch Glücksspielen

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[Clustering Gambling Disorder Patients with Lotteries as a Preferred Form of Gambling]

Die Autoren dieser Studie haben eine Gelegenheitsstichprobe von Patienten untersucht, die in den Jahren 2005 bis 2017 in einem Krankenhaus in Barcelona wegen einer Störung durch Glücksspielen behandelt wurden. Die 342 Studienteilnehmer wurden danach ausgewählt, dass sie angaben, die Behandlung vor allem aufgrund ihrer Teilnahme an Lotterie-Spielen aufzusuchen, nicht aufgrund der Teilnahme an anderen Glücksspielen.

Störung durch Glücksspielen wurde dabei mit den diagnostischen Kriterien des DSM erfragt sowie zusätzliche Angaben zu weiteren psychischen Störungen. In einem darauffolgenden klinischen Interview wurden soziodemografische Daten und Fragen zum Beginn der glücksspielassoziierten Probleme und zu Schulden erhoben.

Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob sich Personen mit einer Störung durch Glücksspielen, die nur an Lotterien teilnahmen, voneinander unterscheiden und in distinkte Subgruppen einteilen lassen. Hierfür wurde die Methode der Cluster-Analyse gewählt. Bei einer Cluster-Analyse wird explorativ und ohne Vorannahmen statistisch analysiert, inwieweit sich Personen anhand von bestimmten Merkmalen (z. B. Alter, Geschlecht, Persönlichkeitseigenschaften) bestimmten Gruppen zuordnen lassen. Je ähnlicher sich dabei die Merkmale der Personen einer Subgruppe sind, desto distinkter ist diese Subgruppe ausgeprägt und umso unterschiedlicher sollte sie von den anderen Subgruppen sein. In einem abschließenden Schritt wird dann untersucht, ob und wie stark sich die so gewonnenen Cluster in ihren Merkmalen signifikant voneinander unterscheiden.

Innerhalb der 342 Studienteilnehmer zeigten sich drei distinkte Subgruppen von Lotterie-Teilnehmern mit einer Störung durch Glücksspielen: Cluster 1 (31,6 % der 342 Teilnehmer) beinhaltete vor allem junge, ledige, arbeitslose Männer, die eher kürzere Zeit glücksspielassoziierte Probleme aufwiesen, eher mehr Kriterien einer Störung durch Glücksspiel erfüllten und eine höhere Ausprägung anderer psychischer Störungen aufwiesen. Cluster 2 (35,1 %) beinhaltete vor allem mittelalte Patienten, verheiratet und einer Arbeit nachgehend, mit hohem Bildungsstand und hohem sozioökonomischem Status. Cluster 3 (33,3 %) beinhaltete vor allem ältere Patienten, geschieden, mit einer hohen Rate von Personen, die arbeitslos sind, mit niedrigem Bildungsstand und niedrigem sozioökonomischem Status.
Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich bei dieser Studie um eine Querschnittsstudie handelt. Somit kann die Studie – wie alle Querschnittsstudien – nichts zu den Risiken der Teilnahme an Lotterien aussagen, die gemeinhin als eher gering angesehen werden. Bei der Interpretation dieser Studie ist zudem zu beachten, dass es sich bei den Untersuchten um eine klinische Stichprobe handelt, also um Personen, die bereits so stark von ihrer Störung durch Glücksspielen belastet waren, dass sie aktiv eine Behandlung aufgesucht hatten, sowie dass die Studie über einen relativ langen Zeitraum von 13 Jahren in nur einem Krankenhaus erhoben wurde. Die Ergebnisse können somit nicht einfach auf die spanische Bevölkerung verallgemeinert werden. Weiterhin sind Schlüsse für Deutschland nur möglich, wenn zugleich eruiert wird, in wie weit der spanische und der deutsche Glücksspielmarkt, insbesondere das Lotterie-Angebot vergleichbar sind.

(Granero, R., Léon-Vargas, D. & 15 weitere Kollegen, 2020)
Journal of Gambling Studies, published online, https://doi.org/10.1007/s10899-020-09940-7

Über den Autor

Lora Köstler-Messaoudi

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