Auswirkungen einer Reduktion der Verfügbarkeit von Glücksspielen

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auf die Prävalenz der Spielteilnahme und glücksspielbezogener Störungen – Ein systematischer Review
Von Gerhard Meyer, Jens Kalke und Tobias Hayer

Zusammenfassung: Die aktuellen Spielhallengesetze in Deutschland sehen eine deutliche Reduktion der Anzahl von Spielstätten vor. Ziel: Ziel dieses Beitrags ist es, den internationalen Forschungsstand zu den Auswirkungen einer Reduktion der Verfügbarkeit von Glücksspielen auf die Prävalenz der Spielteilnahme und glücksspielbezogener Störungen in der Bevölkerung systematisch zu erfassen und zu bewerten. Methodik: Mithilfe von Schlüsselbegriffen wurde in den elektronischen Datenbanken PsycINFO, Psyindex, Cinahl, Web of Science und Medline in systematischer Weise nach relevanter Literatur gesucht. Ergebnisse: Insgesamt konnten acht Studien identifiziert werden, die die Einschlusskriterien erfüllen. Die wenigen, teilweise inkonsistenten Befunde belegen für die Zeit nach der Angebotsreduktion im Wesentlichen einen Rückgang der Spielteilnahme, der Anzahl der Häufigspieler, der Behandlungsnachfrage und der Anzahl der Problemspieler. Parallel dazu war in Einzelfällen ein Anstieg der Teilnahmehäufigkeit bei anderen Spielformen erkennbar. Schlussfolgerungen: Potenzielle Ursachen der lückenhaften und uneinheitlichen Befundlage werden diskutiert und Limitationen des Reviews aufgezeigt. Im Ergebnis sollte effektive Prävention aufeinander abgestimmte, breit angelegte und nachhaltige Bestrebungen umfassen, die sowohl Aspekte der Verhaltens- als auch der Verhältnisprävention beinhalten.

Der vollständige Gastbeitrag von Prof. Dr. Gerhard Meyer, Dr. Kalke und Dr. Hayer erschien in der Fachzeitschrift „Beiträge zum Glücksspielwesen“ Ausgabe 3/2020. Diese kann hier im Jahresabo oder einzeln bestellt werden.

Prof. Dr. Gerhard Meyer ist Fachpsychologe für Rechtspsychologie und Professor für Psychologie an der Universität Bremen. Sein Forschungsschwerpunkt ist das glücksspielbezogene Suchtverhalten. Neben Grundlagenforschungen zu den Entstehungsbedingungen und Folgen des pathologischen Spielverhaltens hat er zahlreiche Publikationen zur Prävention dieses Störungsbildes vorgelegt. Als Sachverständiger hat er auf nationaler und internationaler Ebene Stellungnahmen zu verschiedenen Aspekten des Glücksspielwesens abgegeben.

Dr. Jens Kalke ist seit über 25 Jahren in der Sucht- und Drogenforschung tätig. Er hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert und im Jahr 2000 mit einer empirischen Untersuchung über die Drogenpolitik der bundesdeutschen Länder promoviert. Seit 2003 ist er stellvertretender Leiter des Instituts für Interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (Hamburg). Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind: Suchtprävention, Glücksspiel, EDV-gestützte Dokumentation, Sucht- und Drogenpolitik.

Dr. Tobias Hayer ist Dipl.-Psych. und arbeitet seit 2001 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Studiengang Psychologie der Universität Bremen. 2012 promovierte er zum Thema „Jugendliche und glücksspielbezogene Probleme“. Sein Forschungsschwerpunkt umfasst verschiedenartige Facetten von Glücksspielen sowie der Glücksspielsucht. Dr. Hayer ist derzeit unter anderem Mitglied im Fachbeirat Glücksspielsucht nach § 10 Abs. 1 Verwaltungsvereinbarung Glücksspielstaatsvertrag.

Über den Autor

Lora Köstler-Messaoudi

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